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Was ist Grundlagenausdauer eigentlich?
Grundlagenausdauer bezeichnet die allgemeine, aerobe Ausdauerfähigkeit, die die Basis für jede sportliche Leistungsentwicklung bildet unabhängig davon, ob du für einen 5-km-Lauf oder einen Marathon trainierst. Innerhalb der Grundlagenausdauer wird zwischen zwei Bereichen unterschieden:
- GA1 (Grundlagenausdauer 1): lockeres, aerobes Training im niedrigen Pulsbereich zum Aufbau und zur Stabilisierung der Ausdauerbasis
- GA2 (Grundlagenausdauer 2): intensiveres Training im oberen aeroben Bereich zur Weiterentwicklung dieser Basis
Für die meisten Hobbyläuferinnen und -läufer macht GA1 den mit Abstand größten Anteil des Trainingsumfangs aus – bei ambitionierten Marathonläufern nicht selten deutlich über zwei Drittel der gesamten Trainingszeit.
GA1 vs. GA2 im Überblick
| Merkmal | GA1 | GA2 |
|---|---|---|
| Pulsbereich (% der max. Herzfrequenz) | ca. 65–75 % | ca. 75–85 % |
| Gefühlte Anstrengung | Locker, Unterhalten problemlos möglich | Kontrolliert anstrengend |
| Vorwiegende Energiebereitstellung | Fettstoffwechsel | Zunehmend Kohlenhydrate |
| Typische Einheitendauer | 30 Minuten bis mehrere Stunden | 30–60 Minuten |
| Empfohlene Häufigkeit pro Woche | 2–4 Einheiten | 1–2 Einheiten |
| Trainingsziel | Aerobe Basis, Fettstoffwechsel, Kapillarisierung | Erweiterung der aeroben Kapazität, Tempohärte |
Mehr zu den einzelnen Pulsbereichen und wie du sie im Training gezielt nutzt, findest du in unserem Artikel zu den Herzfrequenzzonen beim Laufen.
Warum ist GA1-Training so wichtig?
GA1-Training wirkt unspektakulär, hat aber einen entscheidenden Effekt auf deinen Körper:
- Verbesserter Fettstoffwechsel: Dein Körper lernt, Energie effizienter aus Fettreserven statt aus begrenzten Kohlenhydratspeichern zu gewinnen.
- Bessere Kapillarisierung: Die Muskulatur wird mit mehr feinen Blutgefäßen versorgt, was die Sauerstoffaufnahme verbessert.
- Ökonomischerer Laufstil: Durch den hohen Trainingsumfang bei niedriger Belastung verbessert sich deine Lauftechnik nebenbei.
- Stabileres Herz-Kreislauf-System: Das Herz wird ökonomischer, der Ruhepuls sinkt langfristig.
- Reduziertes Verletzungsrisiko: Die geringere Belastung erlaubt einen höheren Trainingsumfang ohne Überlastung.
Erst auf dieser Basis lassen sich intensivere Trainingsformen wie der Tempodauerlauf oder gezielte Intervalle sinnvoll aufbauen.
Deinen GA1-Pulsbereich berechnen
Eine einfache Orientierung bietet die Faustformel 220 minus Lebensalter zur Schätzung der maximalen Herzfrequenz. Sie ist ungenau, eignet sich aber als erster Anhaltspunkt:
| Alter | Geschätzter Maximalpuls (220 − Alter) | GA1-Bereich (65–75 %) |
|---|---|---|
| 25 Jahre | 195 | 127–146 |
| 35 Jahre | 185 | 120–139 |
| 45 Jahre | 175 | 114–131 |
| 55 Jahre | 165 | 107–124 |
Für eine genauere Bestimmung deines individuellen Pulsbereichs empfiehlt sich ein Laktat- oder Leistungstest, da die Faustformel je nach Fitnesszustand und Veranlagung stark abweichen kann.
Wie fühlt sich GA1-Training an?
Ein einfacher Praxistest ersetzt oft den Blick auf die Pulsuhr: der sogenannte Talk-Test. Kannst du dich während des Laufens noch in ganzen Sätzen unterhalten, ohne außer Atem zu geraten, bewegst du dich wahrscheinlich im GA1-Bereich. Wird dir das Sprechen schwer, läufst du vermutlich bereits in Richtung GA2 oder darüber.
Wie viel GA1-Training brauchst du?
Der passende Umfang hängt stark von deiner Zieldistanz ab. Als grobe Orientierung:
| Zieldistanz | Anteil GA1 am Trainingsumfang | Empfohlene GA1-Einheiten pro Woche |
|---|---|---|
| 5 km | ca. 60–70 % | 2–3 |
| 10 km | ca. 65–75 % | 2–3 |
| Halbmarathon | ca. 70–80 % | 3–4 |
| Marathon | ca. 75–85 % | 3–5 |
Diese Werte sind Richtwerte – wie viele Einheiten tatsächlich sinnvoll sind, hängt von deinem Leistungsstand, deiner Regenerationsfähigkeit und deinem verfügbaren Zeitbudget ab. Einen Überblick, wie sich das auf deine Wochenstruktur verteilen lässt, findest du in unserem Artikel Wie oft laufen pro Woche?
GA1 in der Praxis: Diese Laufarten gehören dazu
Nicht jeder GA1-Lauf sieht gleich aus. Je nach Trainingsziel unterscheiden sich Dauer und Einbettung in den Wochenplan:
- Klassischer Dauerlauf: Die Basisform des GA1-Trainings – gleichmäßiges Tempo über 30 bis 90 Minuten. Mehr dazu im Artikel Dauerlauf.
- Langer Lauf: Eine verlängerte GA1-Einheit, meist am Wochenende, zentral für die Marathon- und Halbmarathonvorbereitung. Details dazu im Artikel Langer Lauf.
- Regenerationslauf: Ein besonders lockerer GA1-Lauf am unteren Ende des Pulsbereichs, der der aktiven Erholung dient. Mehr dazu im Artikel Regenerationslauf.
- Mittlerer Dauerlauf: Bewegt sich am oberen Rand von GA1 bis in den GA2-Bereich und bildet die Brücke zu intensiveren Einheiten. Siehe Mittlerer Dauerlauf.
Typische Fehler beim GA1-Training
Auch wenn GA1 auf den ersten Blick simpel wirkt, schleichen sich in der Praxis immer wieder dieselben Fehler ein:
- Zu schnelles Lauftempo: Der häufigste Fehler überhaupt – viele Läuferinnen und Läufer laufen ihre "lockeren" Einheiten deutlich zu schnell und damit faktisch im GA2-Bereich.
- Ungeduld: Die Effekte von GA1-Training zeigen sich erst nach Wochen bis Monaten – schnelle Erfolge bleiben zunächst aus.
- Fehlende Pulskontrolle: Ohne Pulsuhr oder Talk-Test wird die eigene Anstrengung häufig unterschätzt.
- Ego-Pace beim Laufen in der Gruppe: In Laufgruppen oder bei gemeinsamen Läufen wird das Tempo oft unbewusst erhöht, wodurch aus einem GA1-Lauf schnell ein GA2-Lauf wird.
- Ausschließlich GA1: Wer dauerhaft nur locker läuft, verpasst wichtige Reize aus intensiveren Trainingsformen wie Tempodauerläufen oder Intervallen und stagniert langfristig.
Fazit: Geduld zahlt sich aus
GA1-Training ist kein Kompromiss und kein "zu leichtes" Training – es ist die Grundlage, auf der jede weitere Leistungssteigerung aufbaut. Wer den größten Teil seines Trainingsumfangs bewusst locker gestaltet, schafft die Voraussetzung, um Tempoeinheiten und Wettkämpfe später mit voller Kraft anzugehen.
Du bist dir unsicher, wie viel GA1-Training in deinen aktuellen Trainingsplan gehört oder wie du deinen individuellen Pulsbereich bestimmst? Unser Trainerteam entwickelt für dich einen individuellen Trainingsplan mit persönlicher Betreuung – abgestimmt auf dein Leistungsniveau und deine Ziele, von der Laufanfänger-Betreuung bis zur Marathon-Vorbereitung.




